Devrent Projekt

POSTED : March.2019

Im Zentrum des Devrent-Projekts steht das Thema „Erosive Gestaltbildung, im Besonderen bei eruptiven Gesteinsformationen – die Landschaft als ästhetisches Objekt und konkreter Zeitzeuge langer geologischer Prozesse“.

Die Abbilder von Gesteinsformationen machen kausale Prinzipien und Zusammenhänge der Erosion als sanft gestaltende, latente Naturgewalt sichtbar. Die Wirklichkeit ihrer enormen Kräfte verdichten sich in der Momentaufnahme der Fotografie zu geheimnisvoll wirkenden Monumenten, sind greifbar-sinnliche Zeitfragmente. Wir sehen ein Zwischenstadium im unendlichen Prozess ihrer Metamorphose. Ihre konkreten Bilder wirken exotisch fremd, es sind landschaftliche Gebilde wie aus einer fernen Welt. Sie geben Rätsel ob ihrer Entstehung auf, erzeugen Fantasien und verlocken uns zu Vorstellungen, die außerhalb unserer logisch konstruierten Welt liegen. Angelegt zwischen Ordnung und Chaos sind ihre Erscheinungsformen Puzzleteile einer absonderlichen physikalischen Systematik. In der Gesetzmäßigkeit oft nicht nachvollziehbar, doch in der äußeren Gestalt umso faszinierender.

Ein bespielloser Ort von höchster Formdichte öffnet seine Pforten und offenbart seinen opulent-morphologischen und bildnerischen Katalog. Ein kleines Stück Land – surreal, fast illusionär in seiner Anmutung, doch hyperreal in seiner puren Stofflichkeit und Oberfläche, geheimnisvoll und immer von seinem Ursprung und seiner Entstehung erzählend. Sein außerordentlicher Status belegt durch den achtbaren Titel, ein UNESCO-Weltkultur- und Naturerbe zu sein. Herausragend und einzigartig in der Bedeutung, mehr als nur ein Stück Landmasse, das unser Planet Erde zu bieten hat. Sein Name – Kappadokien. Die perfekte Verknüpfung von Geologie und Kultur. (siehe Books Devrent Projekt)

Begeht man das Gebiet um Göreme, zeigen sich fast im Kilometertakt ständig neue Landschaftstypologien mit signifikanten Farb- und Formcharakteristika. Wie streng sortiert reihen sich verschiedenartige Gesteinsareale in ihrer ureigenen Formensprache aneinander. Gruppen exakter Kegelformen – groß und klein, kegelartige Steinriesen und wuchtig-hohe Säulenverbände, massive Türme mit Basalthüten obenauf, riesige Felsgärten mit absonderlich merkwürdigen Steinskulpturen, weich geschliffene weiße und rote Felsfaltungen von gelb bis rosa und ebensolche farbchangierenden Felsschluchten. Exotisch schön, fremdartig und wundersam wie fiktive Filmlandschaften.

Alle sind autonome Gewerke der Natur, selbstgestaltend und völlig unkontrolliert auf ihren permanenten Veränderungsprozess bedacht. Der eigentliche Schöpfungsmechanismus hängt vielleicht nur von einem Quäntchen mehr an Härte oder Dichte des Eruptivgesteins ab. Ihre konkrete Formen offenbaren sich in einem winzigen Zeitfenster unserer Gegenwart, werden aber betrachtet als seien sie konstante Objekte für die Ewigkeit. Grandiose Gestalten die sich zwischen geologischer Logik und totalem Chaos des Zufalls bewegen – vielleicht Sinnbilder für die allgemeine Weltformel schlechthin.