TransForm

POSTED : March.2019

Die hier gezeigten grafischen Arbeiten entstanden in den Jahren 2016-2017. Grundlage für ihre Erstellung war eine Sammlung sogenannter Grunge-Objekte, die sich im Laufe der Zeit bei mir angesammelt hatten. Ich hatte sie für angewandte Designprojekte benötigt, danach standen sie in einem kleinen Bildarchiv zur Verfügung. Es waren verschiedenartigste Arten von Klecksen, Kritzeleien, Kratzspuren, Farbspritzer oder derben Pinselstrichstrukturen.

Ihre anarchische Wildheit und pure Reinheit faszinierten mich, ähnlich denen von Kalligrafien. Ein grafisches Zeichensystem, das aus Unordnung bestand, aber gleichzeitig in der Vereinzelung stringente Ordnung besaß. Chaotische Grundstrukturen, die ohne ästhetische Gestaltbildung auskamen und in ihrer separierten Darstellung starke bildnerische Kräfte und Reize entwickelten. Ich ergriff Besitz von ihnen.

Sie als Grundstoff für eine neue Gestaltbildung zu verwenden, war die Grundidee für ein visuelles Abenteuer und Konzept. Doch wie ließen sich diese verschiedenen Bildkörper in eine einheitliche Bildsprache transformieren und gleichzeitig technisch nutzbar machen? Der Gedanke, sie in ein rechnerunterstützendes Format umzuwandeln, erwies sich als eine wahre Quelle der Bildfindung. Ihre Vektorisierung ließ nicht nur ein größenunabhängiges Format zu, sondern auch die Bearbeitung mit verschiedenen Software-Algorithmen. Kleinste Punkte wurden zu flächigen Formsplittern, ihre ursprünglichen Formraster wurden dadurch im Verband komplett formbar. Diverse Algorithmen provozierten und schufen je nach Auswahl ungewöhnliche visuelle Ereignisse, ließen sich aber auch absolut meinem Gestaltungswillen unterwerfen. Also genau das, was einen kreativen Schaffensprozess verkörpert und als Wesenszug der Gestaltung gilt. Sie wurden für mich zu normalen Werkzeugen, wie es im analogen Bereich der Pinsel und die Farbe sind. Allerdings mit dem gravierenden Unterschied, dass gestalterische Irrwege jederzeit revidierbar und vergleichbar wurden, um verbesserte oder ungewöhnlichere Resultate hervorzubringen, die eher meiner gestalterischen Vorstellung oder meinem Duktus entsprachen. Ich hatte dabei nicht das Gefühl, in der zweiten Reihe hinter meinen Werkzeugen zu sitzen, sondern eher als Pilot zu agieren, der nur die Bildoptimierung als Ziel vor Augen hatte.

(zum Katalog TransForm)

Zu jeder Zeit des gestalterischen Prozesses war das ambivalente Verhältnis zwischen Ordnung und Unordnung im Fokus und wurde zum zentralen Inhalt meiner künstlerischen Aussage. Ein Spiel zwischen provoziertem Zufall und berechnendem Kalkül. Ungeordnetes transformierte sich in andere Ordnungsqualitäten und gab den Raum für innovative Ideen. Bildbearbeitungs-Algorithmen konnten jederzeit Bildreihen erzeugen und so Stationen des bildnerischen Veränderungsprozess statisch erfassen und einfrieren, analog dem, wie es bei der Fotografie möglich ist. Ephemerische Bildsujets wie zum Beispiel die in den „Fire Series“ oder „Water Series“, eigneten sich dafür so gut, dass ihre comichaften Augenblicksstrukturen ikonenhafte Anmut und assoziative Präsenz erhielten.

Es war für mich die Möglichkeit der Perzeption des scheinbaren Chaos. Hervorgerufen durch die vorhandenen integrierten Bildstrukturen und ihre nachbearbeitete Transformation – sowohl in der inneren wie in der äußeren Form. Sie ließ mich den Charme des Erratischen verstärken sowie Symbolisches und Mystisches erheblich steigern und dadurch erst darstellen. Innovative Struktur- und Formraster offenbarten ihre neuen versteckten ästhetische Inhalte. Ungewohnte, fast surreale Formaspekte fanden sich, die vorher so nicht vorstellbar waren. Plötzlich schien das vermeintliche Chaos steuerbar und machte etwas sichtbar, das es zuvor nicht gab. (zur Website “Transform”)