Die hier gezeigten grafischen Arbeiten entstanden in den Jahren 2016-2017. Grundlage für ihre Erstellung war eine Sammlung sogenannter Grunge-Objekte, die sich im Laufe der Zeit bei mir angesammelt hatten. Ich hatte sie für angewandte Designprojekte benötigt, danach standen sie in einem kleinen Bildarchiv zur Verfügung. Es waren verschiedenartigste Arten von Klecksen, Kritzeleien, Kratzspuren, Farbspritzer oder derben Pinselstrichstrukturen.
Ihre anarchisc
he Wildheit und pure Reinheit faszinierten mich, ähnlich denen von Kalligrafien. Ein grafisches Zeichensystem, das aus Unordnung bestand, aber gleichzeitig in der Vereinzelung stringente Ordnung besaß. Chaotische Grundstrukturen, die ohne ästhetische Gestaltbildung auskamen und in ihrer separierten Darstellung starke bildnerische Kräfte und Reize entwickelten. Ich ergriff Besitz von ihnen.
Sie als Grundstoff für eine neue Gestaltbildung zu verwenden, war die Grundidee für ein visuelles Abenteuer und Konzept. Doch wie ließen sich diese verschiedenen Bildkörper in eine einheitliche Bildsprache transformieren und gleichzeitig technisch nutzbar machen? Der Gedanke, sie in ein rechnerunterstützendes Format umzuwandeln, erwies sich als eine wahre Quelle der Bildfindung. Ihre Vektorisierung ließ nicht nur ein größenunabhängiges Format zu, sondern auch die Bearbeitung mit verschiedenen Software-Algorithmen. Kleinste Punkte wurden zu flächigen Formsplittern, ihre ursprünglichen Formraster wurden dadurch im Verband komplett formbar. Diverse Algorithmen provozierten und schufen je nach Auswahl ungewöhnliche visuelle Ereignisse, ließen sich aber auch absolut meinem Gestaltungswillen unterwerfen. Also genau das, was einen kreativen Schaffensprozess verkörpert und als Wesenszug der Gestaltung gilt. Sie wurden für mich zu normalen Werkzeugen, wie es im analogen Bereich der Pinsel und die Farbe sind. Allerdings mit dem gravierenden Unterschied, dass gestalterische Irrwege jederzeit revidierbar und vergleichbar wurden, um verbesserte oder ungewöhnlichere Resultate hervorzubringen, die eher meiner gestalterischen Vorstellung oder meinem Duktus entsprachen. Ich hatte dabei nicht das Gefühl, in der zweiten Reihe hinter meinen Werkzeugen zu sitzen, sondern eher als Pilot zu agieren, der nur die Bildoptimierung als Ziel vor Augen hatte.
